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Männerlos

Ich hatte nun schon seit 4 Jahren keinen Freund mehr. Meine letzte Beziehung, mit Olli, ist daran gescheitert, dass ich zu viel Zeit und Energie in meine Firma investiert habe. Damals lief auch alles noch richtig gut. Und wenn man selbstständig ist, kommt eben immer erst mal der Beruf. Bei Daniela ist das was anderes. Martin verdient ja ein richtig gutes Geld. Sie muss daher nicht so auf ihre Finanzen achten, wie ich das tue. Aber Olli fand den Gedanken schlimm, dass ich finanziell immer unabhängig bleiben wollte. Ich habe mich nie von ihm zum Essen einladen lassen. Vielleicht war das auch ein Fehler, ich weiß es nicht. Ich nenne das eine starke Frau. Olli nannte es eine Emanze, wie ich irgendwann später über zwei Ecken erfahren habe. Na, vielen Dank auch.

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Ich privat

Jetzt habe ich schon wieder nichts von mir erzählt. Also, dass ich Online Marketing und Homepage Design spannend finde und selbstständig bin, das wisst ihr ja schon. Aber jetzt werde ich ein wenig aus meinem Privatleben erzählen. Ich bin 31 Jahre alt. Früher wollte ich nie Kinder, aber langsam beginne ich schon, über so etwas nachzudenken. Alleinerziehende Mutter möchte ich aber auf keinen Fall werden. Etwas anderes ist im Moment aber rein gar nicht in Aussicht. Also, ein Mann, mit dem ich Kinder großziehen könnte, meine ich jetzt. Nicht einmal den Funken einer Hoffnung auf eine Beziehung habe ich. Alle Kerle, die ich kennen lerne, sind schwer beeindruckt – um nicht zu sagen: eingeschüchtert – von meinem Unternehmergeist und meiner Selbstständigkeit. In den Augen der Männer bin ich das typische Karriereweib. So eine, die nach ganz oben will. Aber die sehen immer nur meine toughe Seite. Ich kann auch sehr sinnlich und sensibel sein. Aber dahin lassen es die Männer meist gar nicht erst kommen.

In der Zwickmühle

Jetzt habe ich euch so viel von Daniela und unserem Geschäft erzählt, dass ich selber etwas auf der Strecke geblieben bin. Das passiert zur Zeit öfter. So oft, dass es mir schon gar nicht mehr auffällt. Ständig hänge ich mit den Gedanken nur noch in der Agentur, was mich viele Nerven kostet. Und nicht selten auch den ganzen, wohlverdienten Feierabend. Freizeit habe ich eigentlich fast gar keine mehr, weil ich ja immer noch mehr oder weniger für Daniela mitarbeiten muss. Ich fühle mich schuldig, wenn ich wütend auf sie bin. Sie kann ja schließlich nichts dafür. Aber auch ich kann doch nichts dafür, oder? Ich mache mich gerade für sie kaputt. Und so kann es auch nicht weitergehen. Selbst jetzt, wo ich eine Option für mich freigeschaufelt habe, habe ich noch das Gefühl, für Daniela verantwortlich zu sein.

Neuer Schwung

Ich glaube, dass die Aussicht auf einen früheren Klinikplatz Daniela ein wenig neuen Aufschwung gegeben hat. In den letzten Tagen hat sie sogar ein paar Mal gelacht. Das habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Ich kenne Daniela ganz anders. Früher hat sie immer gelacht. Aber jetzt ist ihr nur noch alles zu viel. Manchmal erwische ich sie, wie sie mehrere Minuten an die gegenüberliegende Wand starrt. Und sich nicht bewegt. Ihr Blick ist dabei vollkommen leer, wie schwarz. Es ist ganz eigenartig. Und ein bisschen gruselig, sogar. Was mich betrifft, so merke ich, wie ich langsam aber sicher an meine Grenzen stoße. Auch ich kann irgendwann einmal nicht mehr. ein halbes Jahr werde ich noch durchhalten müssen, und wenn ich Glück habe, ein bisschen weniger. Und dann kann ich mich mit einem Neuanfang beschäftigen, dem Online Marketing und Homepage Design. Ich sehe das Online Marketing und Homepage Design tatsächlich als meine zweite Chance. Einen Streifen am Horizont.

Gute Nachrichten

 
Es gibt tolle Neuigkeiten: weil ein Platz Ende Oktober nicht angetreten werden kann, rückt Daniela weiter auf in der Warteliste für ihren Klinikaufenthalt. Vielleicht könnte sie dann schon diesen Platz annehmen, wenn jetzt noch jemand nicht antreten kann. Ich freue mich ganz ehrlich für Daniela. Aber natürlich denke ich auch wieder daran, dass ich dann für zwei Monate den ganzen Laden alleine schmeißen muss, und wichtige Entscheidungen bezüglich der Abwicklung tätigen muss. Das wiederum macht mir etwas Sorgen. Und ich habe auch die Sorge, dass Daniela bald ohnehin für längere Zeit krankgeschrieben wird. Was natürlich extrem schlecht ist, in einer Selbstständigkeit. Aber in ihrer Verfassung kann sie tatsächlich kaum noch arbeiten. Martin sagt das auch immer. Kundenkontakt hat sie schon seit einigen Wochen nicht mehr. nur noch Büroarbeit macht sie. Und auch das wird ihr alles viel zu viel…

Gute Aussichten

 
Seit einigen Tagen habe ich einen ganz neuen Lebensmut geschöpft. Das liegt auch daran, dass Daniela sich glaube ich ein wenig gefangen hat. Naja, vielleicht hat sie sich einfach mit der Situation abgefunden. Oder ganz vielleicht ist sie auch ein bisschen erleichtert. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie eigentlich depressiv ist, weil ihre Ehe nicht mehr läuft, oder ob es andersherum ist. Gerade bekomme ich fast den Eindruck, dass ihre Depression mehr von ihrer beruflichen Erschöpfung herrührt. Martin ist wirklich ein toller Mann. Wenn ich so einen hätte, würde ich Luftsprünge machen. Versteht mich nicht falsch! Dieser Mann wäre für mich persönlich nichts. Mir wäre er fast ein bisschen zu nett. Wenn Männer zu nett sind, verlieren sie so ein wenig ihre Anziehungskraft auf mich. Aber für Daniela ist er einfach toll. Ich hoffe nur, dass die beiden das in Zukunft wieder alles hinbekommen.

Verzögerungen

Eigentlich war der Plan, dass ich aussteige, wenn Daniela aus der Klinik zurückkommt. Da sich das Ganze nun noch bis Frühling nächsten Jahres ziehen könnte, möchte ich nicht so lange abwarten. Ich möchte hier raus. Was Neues beginnen. So schnell wie möglich. Wenn ich mir einmal über etwas im Klaren bin, dann will ich es auch durchziehen. So war es damals auch, mit der Agentur. Auch habe ich darüber nachgedacht, um man die Agentur nicht strategisch komplett umbauen könnte, mehr in Richtung Online Marketing und Homepage Design. Aber so ein Umbau kann unter Umständen noch komplizierter werden, als eine Firma neu zu gründen. Wenn die Kunden erst mal weggelaufen sind, kommen sie nicht so schnell wieder. Und die schlechte Mundpropaganda gibt es auch noch. Wenn sie mit irgendetwas nicht zufrieden waren. Nein, eine Neugründung mit mir als einzigem Eigentümer und Geschäftsleiter halte ich für das Beste.